StatistikProtokoll '99

Himfa 99 *** Auf Dreyhaupts Spuren durch den östlichen Saalkreis *** Himfa 99
Herr Johann Christoph von Dreyhaupt,
Der Saalekreis-Chronist,
Vor nun dreyhundert Jahren
Zu Halle geboren ist.

Laßt uns darob besteigen
Der Esel Drahtgerüst
Und sehn, was im Osten des Kreises
An Altem noch übrig ist.

Drey Häupter unsrer Sippe
Genießen dort Heimatrecht
Und woll´n uns daselbst nach Kräften
bewirten recht und schlecht.

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Nachfolgend eingeschobener originaler Text aus Herrn von Dreyhaupts Hauptwerke ist in Sonderheit wegen derer Erwähnung mannigfacher Gasthöfe und Bierbrauereien (die itzo einzig bestehende zu Landsberg ausgenommen) durstigem Himmelfahrer liebwert

Œ Erstlich beginnet unser Ritt zu Trothe am vorletztlichen Halt der Schienenschnellpost (heißet Wohnstadt Nord) an der Brücken Mötzlicher Straße ein halb Uhren vor Acht, allwo unser Antrunk und -sang nebest Ordensverleih (soferne solcher vorfället) statthaben soll. Pünktlichen Antrab vorausgesetzt

221. Trotha, Dorff und Pfarrkirche,
zum Amte von Giebichenstein, diesseits der Saale 3 viertel Stunden von Halle am Saalstrohme und den Magdeburger und Halberstädter Landstrassen gelegen, die sich gleich hinter dem Dorffe schneiden, und erstere rechter Hand auf Teiche und Wieskau, letztere aber linker Hand auf Morl und Cönnern zugehet. Durch das Dorff gehet ein Steindamm, weshalb von den Fuhrleuten ein Pflastergeleite erleget werden muß, auch ist daselbst eine ordentliche Zollstäte des Amts Giebichenstein. Es sind 2 Gasthöfe darinnen, einer zum rothen Adler zu Anfang des Dorffs von Halle zu rechnen, der des Besitzers eigen, und der andere mitten im Dorffe, zur Preußischen Krone genannt, so zum königl. Amte gehöret und verpachtet wird, auch über dieses eine Schenke, alle 3 aber müssen das Bier vom Amte ziehen. Auch ist eine grosse Amts.Schäferey im Dorfe, desgleichen eine dahin gehörige Mühle, von welcher forn unter den Mühlen pag. 362 gehandelt ist. Dieses Dorff ist das Stammhaus derer Herren von Trotha, welche aber daraus von dem Kloster zum Neuen Werck verdrungen worden.

 erreichen wir alsbald jenen Stein, welchen die Nachgeborenen den französischen genennet haben; wollen auch derer gedenken, jedoch dann flugs weitereilend den sandigen Berg umrundend Oppin erreichen Ž

146. Oppin, Dorff, Pfarrkirche und Ritterguth
mit Ober- und Unter-Gerichten zum Amt Giebichenstein gehörig, vor alters auch Apyn, Appien genannt, liegt eine gute halbe Meile von Halle an der Berliner und Magdeburger hohen Leipziger Strasse, hat 18 Feuerstäten, 1 Schmiede und 2 Gasthöfe, davon einer das Bier vom Amte, der andere vom adel. Hofe nehmen muß. Die Kirche heißt zu S. Georgen und Elisabeth, und gehöret das Pfarrlehn zum Amt Giebichenstein, in welche die Dörffer Harsdorff, Pranitz und Inwenden eingesparet sind. Sie ist alt, und 2 mahl, 1633 durch einen Wetterstrahl, und 1655 durch Verwahrlosung des Schulmeisters, der die Altarlichter nach der Communion auszulöschen vergessen, abgebrannt. Auf dem Thurme hängen 3 wohlklingende Glocken, davon die größte 22 Zentner wiegt. Die Orgel ist 1702 angeschaft und von Heinrich Tinschen zu Löbejün gemacht.

 Ist das erste Ziel der Wohnsitz des hl. Langen Mattaj, Schurzpatrons aller Hornanisten. Erquickung für Seele, Leib und Leber dürften hier unser harren.

140. Niemberg, Dorff, Pfarrkirche und Ritterguth,
zum Amte Giebichenstein gehörig, eine gute Meile von Halle gegen Nordosten gelegen, wird in alten Schriften Neymburg, Nienburch und Nimburch genannt, hat 39 Feuerstäten, 1 Hirten- und 5 Cabel-Häuser, einen Gasthof und Schencke, so das Bier vom Amte nehmen müssen, starcken Ackerbau und ziemliche Viezucht, Koppeltrifft mit Plößnitz und Spickendorff, die Magdeburgische hohe Strasse nach Leipzig gehen da vorbey, und ist eine Giebichensteinische Zollstäte darinnen. Es ist ein sehr alter Ort, den bereits Kayser Otto Ao. 966 der Kirchen zu Magdeburg geschenckt, S. im Ersten Theil p 15. Ao.1184 hat Erzb. Wichmann das Jus patronatus der Kirche zu Niemberg samt 2 Hufen Landes und anderen Zubehör, desgleichen den Zehenden und Zölle dem Closter S. Moritz zu Halle übergeben, welches Erzb. Burchhard 1315 nochmals bestätigt. Das Etymon des Orts soll von 9 Bergen herkommen, die sich daherum in der Nähe befinden, als die Burgstäte, deren 2 Rebenberge, der Steinberg, Dachsberg, Lügenberg, Rosenberg, Ochsenberg und Schlagwitzberg.

 Kurzer Antrab nur ist von Nöthen und alter Sitz ehrbarer Geschlechter wird uns von hoher Warte genüßlichen Blick in weites Feld und Städel gewähren

85. Hohenthurm und Rosenfeld, Ritterguth, Dorff und Pfarrkirche

Hohenthurm liegt anderthalb Meilen von Halle gegen Morgen an der Landsbergischen Strasse, ist mit Rosenfeld dergestalt vereinigt, daß beyde fast vor eins zu rechnen, und bestehen aus 71 Feuerstäten, nemlich 16 in Hohenthurm Magdeburgischer und 55 in Rosenfeld Chursächsischer Hoheit. Hohenthurm führet ohnzweifel den Nahmen von dem auf dem Adelichen Hofe befindlichen grossen Thurmes, welcher von Bruchsteinen aufgeführet, und längstens im XII. Secoto wo nicht eher erbauet ist, so die Anzeige einer alten Burg, die vermuthlich zu Caroli IV. Zeiten zerstöhret worden. In Hohenthurm ist die so genannte Berg-Schencke, so dem Adelichen Hofe gehöret, allwo auch das Geleite abgegeben wird; in Rosenfeld ist auch eine Schencke, und müssen beyde das Bier vom Gute nehmen, auch über den Preiß des Biers dahin eine gewisse Niederlage entrichten. Das Bier ist vordem der Eselsblecker genennet worden, weil das auf dem Ritterguthe befindlichen 40 Elen tief in den Felsen gehauenen Brunnen herauf getrieben wird. Ao1272 vereignete M. Dietrich zu Landsberg 4 1/2 Hufen zu Hohenthurm an das Nonnen-Closter S. Georgen, so dasselbe Henr. Von Landsberg abgekauft. S. Doc. No 242. Im I. TH. P. 815. Der Ort verschiedentliche grosse Feuersbrünste erlitten, als 1663 den 8. Oct. Sind durch Verwahrlosung eines blinden Weibes 13 Höfe mit allen Gebäuden und Vorrath abgebrannt.

Landsberg, so heißet ein Städtchen, welches zu meiniger Zeytt dem Saal-creise mitnichten einverleibet war, dazumahl jedoch schon mit einer schönen Capellen auf steilem Felsen prangete. Castellan Gunther George wird uns die Porta des Allerheiligsten auftun, ehe wir denn gen ’ eilen, dem Lustplatz Peters des Zweiten, des Aufrichters, Sturzpatrons und Türmers dasigen Ortes.

148. Oßmünde, Dorff und Pfarrkirche
Eine Meile von Landsbrg und anderthalb Meilen von Halle gegen Osten lincker Hand der Leipziger Landstrasse gelegen, ein starckes vermögendes Dorff von 39 Feuerstäten, 1 Schmiede und 2 Schencken, so das Bier vom Amte Giebichensstein nehmen müssen, wohin das Dorff mit Ober- und Unter-Gerichten gehörig. Es hat guten Ackerbau, aber geringe Viehzucht wegen Mangel der Weide. Vormahls war ein Sattelhof allhier, welcher einem adelichen Geschlecht den Nahmen gegeben, davon sich einige zu Halle unter der Pfännerschaft besetzt, und Peter Oßmünde 1504 Schultheis allda gewesen. Im 15. Seculo besassen ihn die von Zwemen, von welchen ihn Geisler von Dieskau 1477 kauffte, bey dessen Nachkommen er bis 1519 geblieben, auch ist Balthasar von Schapow 1477 mit verschiedenen Lehnen und Zinsen zu Oßmünde beliehen worden. Die Kirche ist dem S. Petro gewidmet, und alt, in welcher Erzb. Friedrich 1458 einen Altar confirmiret, Doc. No. 598. Es sind die Dörffer Gorrenz, Schwözsch, Gröbers, Bennewiz und Benndorff, samt dem Adel. Hofe zu Bendorff in selbige eingepfarret, kommen dahin zur Kirche, und müssen allda trauen, taufen und begraben lassen. Ao. 1600 etliche 40 am Himmelfahrstage hat das Wetter den Thurm entzündet, und ist die sehr hohe Spitze nebst 4 kleinen Thürmen und dem Kirchdache abgebrannt, aber nach und nach wieder repariret und hübsch ausgebauet. Wie dann ein schön groß Orgelwerck von 19 Stimmen 1719 darin erbauet, auch ein neuer Altar und Glocken darinnen sind. An der Pfarrwohnung ist ein Thurm und in demselben eine Capelle, dahin vorzeiten den 2. Sontag nach Triniratis gewallfartet und wo Ablaß ausgetheilet worden.

Dörrheit des Bauches wie des Schlundes zu wehren, steigen wir launig im nahen Fuchsbau obgenannten Könnernschen Zuckermanufakturisten ab,

75. Gröbers, ein Dorff,
in alten Briefen Groberwize genannt, 2 Meilen von Halle an der Leipziger Landstrasse gelegen, von 20 Feuerstäten ins Amt Giebichenstein gehörig, welches daselbst auch eine Zollstäte hat. Es ist keine Kirche darinnen, sondern das Dorff nach Oßmünde eingepfarret, hat schönen Ackerbau, aber keine Viehweyde, als welches auf dem Stalle gefüttert werden muß, eine Schmiede und Gasthof, der das Bier vom Amte ziehen muß. Das Dorff hat grossen und sehr offtern Brandschaden erlitten, daher es insgemein nur Branddorff genennnet wird; im XV. Seculo ist es denen Hacken vor 200 Gfl. Versetzt gewesen, welche Geisler von Dieskau mit Erzbischöfflichen Consens abgefunden, von dessen Erben es wieder zum Amt eingelöset worden. Ohnweit davon im freien Felde an der Sächsischen Gränze ist ein Hügel, der Bornhöck genannt, dabey eine wüste Dorffstätte gleiches Rahmens, so bereits 1353 wüste gelegen, Bordenhoick geheissen, und von dem Abt des Closters S. Petri in der Altenburg zu Merseburg Theoderico nebst dazu gehörigen Gütern vor das Closter erkaufft worden.

werfen uns jedoch in Bälde wieder zu Rosse dem Ursprunge Dietrichs, des Fischers von Dieskau, zu. Ihn zu ehren strapazieret die sattsam geölten Kehlen!

39. Dießkau, Ritterguth, Dorff und Pfarrkirche.
Das Ritterguth Dießkau ist das Uhralte Stamhaus des Adelichen Geschlechrs von Dießkau, so dasselbe seit viel 100 Jahren besessen, auch mit anderen Güthern im Saal-Creyse und zu Halle mit Thalgüthern angesessen gewesen, aber in der Person des Landraths Carls von Dieskau im Herzogthum Magdeburg abgestorben, und der alte Stamsitz 1746 von denen Agnaten und Erben an den gewesenen Fürstl. Braunschweigischen Amtmann Alburg verkaufft worden. Von der Dießkauischen Familie wird hinten in der Beylage B. die Genealogische Tabelle erfolgen, und hier No. 578 ein Lehnbrief mitgetheilet in welchem Erzbischoff Peter 1379 Rudolphen von Dieskau beliehen. Es sind vormals 2 Sattelhöfe zu Dießkau gewesen, welche nunmehr in ein Ritterguth zusammengezogen, welches guthe Wirthschafts Gebäude und ein schön massiv-Wohnhaus hat, auf welchem in einem sehr grossen Saale an der getäfelten Decke, die so genannten 100 Narren (deren aber nur etliche 70) in abgetheiten Quadratfeldern mit Oehlfarben und darunter geschriebenen Reimen abgemahlet sind. Es gehören darzu 37 Hufen Landes, darunter eine wüste Feldmarck Pretz, welche schwarze Mohr Erde und naß, die übrigen Felder aber sehr divers, und mehrentheils sandig und kiesig sind; schöne Teiche, 8 an der Zahl, die mit 50, 60 biß 100 Schock Bruth besetzet werden.

Ein leichtes wird der letzte Ritt durch Park und Haide hin zu Werner Makrelings (des nunmehr dritten Gastgebers) Kote, woselbst wir wie weiland schon dreyzehen Mahle zuvorn wir atztrin- und -sinkend in Frieden eingehen wollen.

147. Osendorff, ein Dorff
an der Elster 1 Meile von Halle ohnweit des so genannten Dreyer Häusgens und der Libenauischen Strasse gelegen, zum Amt Giebichenstein gehörig, ist vormahls auch Offendorp, Oftendorp geschrieben worden, und nach Radewell eingepfarrt. Es hat 12 Feuerstäten und wenig auch sandigen Ackerbau, aber wegen der angränzenden Aue ziemliche Viehzucht. Es wohnet ein Königl. Förster allda, und ist seit einigen Jahren ein Fasanen-Stand allda angelegt worden. Vor dem Dorffe auf dem Anger werden viel Urnen neben einander in sandigem Boden gefunden. Ao.1462 vertauschte Erzb. Friedrich dieses Dorf nebst Burg an das Closter zu S. Moritz zu Halle (S. im Ersten Theil p. 762) Nach Eingehung des Neuen Stifts aber kam es wieder ans Amt Giebichenstein. Ao.1650 ward es von Herzog Augusto nebst Burg und Radewell mit allen Gerichten und Zubehör an den Geh.Rath und Hauptmann zu Giebichenstein Curd von Einsiedel auf Döllnitz erblich abgetreten, aber nachher wieder zum Amte gezogen.

Aktivitäten:

Karsten Die Grafen von Wettin, Brehna und Landsberg
Hans Die Anfänge von Oppin / Etappenhengst
Michael Kanzler Hoffmann und Fischer - Dieskau
Filzhut Feldmechanikus / Von der alten Braukunst*
GüGi Adelsgeschlechter im Saalkreis* / Wetterfrosch
Hoppi noch immer ohne
Fritze Lumpensammler /Der Baumeister F. A. Stüler
Werner Maulflötist / Endversorger
Theo Entsorger /Kameradokumentator
Jens Altenhilfe / Fötusgraf mit Lieferpflicht
Uwe L. Toast auf Erich Neuß* / Kameradokumendiktator
Hornano Hornanissimo / Die heilige Ursula
Uwe Pf. Skizzenbuch / Alfred Weßner-Collenbey*
Klaus Französische Uniformen 1813 / DoKiSta
Bernhard Was ist ein Bornhöck? / Elstersagen
Jochen Protokoll / Dreyhaupt, Dreileben und Seeben*
Heinz Hof- und Feldfotograf / Schultze-Galléra*
Bernd N. Das Schloß Dieskau / Feldnachrichtendienst
Uwe S. Porphyr, der Marmor des Saalkreises (Landsberg)
Peter (Fuchs) Selbstaufgabe

* Die Vorträge erfolgen bei günstiger Verlegenheit, spätestens am Etappenziel und sind auf Kürze zu verschärfen.

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